Hotel und Restaurant

 

Taverne zum Kreuz

beim Stadtpark von Winterthur

 
 
 

Bausteine zur Winterthurer Stadtgeschichte

"Zum Kreuz" Merkurstrasse 9, heute Stadthausstrasse 10b

 

1669

zu Anfang des Jahres, hatten zwei biedere Bürger Winterthurs den fast verwegenen Einfall, mehr Lebensraum zu beanspruchen. Sie wollten, der eine „ein Hus und Farb“, der andere ein Wohnhaus erbauen. Die Wichtigkeit dieser Neuheit erforderte das Zusammensitzen von beiden Räten. Der Chronist Joh. Conrad Troll beschreibt den Vorgang: „Die Sache wurde vor beide Räthe gebracht, und hier die Frage: Ob man vor den Thoren Häuser bauen lassen wolle oder nicht? Nachdem dem Färber Jäggli die Erlaubnis zum Bau gegeben worden ist, erhob sich Bauherr Hegner von seinem Sitz, trat mit seinem Sohn, der Landschreiber war, hinter die Schranken und bat um die nämliche Gunst. Er wolle aus der Scheune, die an die obrige stosse, auch einen Behausung bauen, weil er 2 Söhne habe, die beide ohne Häuser. Er gedenke die Kyburgische Kanzlei dort zu errichten, damit die Landleute Tag und Nacht Ein- und Ausgang finden. Da ward auch ihm das Holz zu einem hause vor der Stadt bewilligt (1).“ So hatte am 25. Februar 1669 unsere Stadt den ersten Anstoss zu ihrer zukünftigen Vergrösserung erhalten und Hans Ulrich Hegner „Zum Schiff“ (Metzggasse 18), ursprünglich „zum weissen Kreuz“, erbaute in der Folge das Haus „zum Kreuz“.

 

1675

verkaufte Stadtrichter Hans Ulrich Hegner (2) das „Kreuz“ an den Maler Jakob Weber. Dieser hat auf Grund des Abläserbuches auf dem „Schiff“ (alter Name bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts) gewirtet, und das „Kreuz“ war ein beliebtes Absteigequartier für Hergereiste, stand es doch an der Strasse, die beim Schmidtor ihren Anfang nahm und über den Rosenberg an den Rhein und nach Schaffhausen führte.

 

seit 1843

hatten zwölf Besitzer ihr Auskommen auf dem „Kreuz“ und

 

1909

wird es Eigentum des Konsumvereins Winterthur.

 

1951

wird das „Kreuz“ zum letzten Mal instand gesetzt.

 

1978

begann die Coop-Genossenschaft Winterthur auf dem Schöntal Areal mit dem Bau eines neuen Warenhauses. Geplant war ausser dem Warenhaus auch ein unterirdisches Parkhaus, doch genau auf diesem Gelände stand die „Taverne zum Kreuz“. Coop hätte das Haus gerne der Stadt geschenkt, doch diese war der Meinung, es müsse auf dem Schöntal Areal bleiben. Nachdem eine Verschiebung auf Rollen verneint wurde, wurden die brauchbaren Teile des „Kreuzes“ fein säuberlich magaziniert.

 

1981

Nach der Erstellung der unterirdischen Parkgarage wurde 1980/81 das „Kreuz“ als Restaurant und Kleinhotel wieder aufgebaut, wobei das Konstruktionsholz des Tiegelbaues und des Erkers wieder verwendet werden konnte. Die ungewohnte Bemalung der Riegel mit Begleitlinien und dekorativen Elementen entspricht den Funden, die beim Abbruch auf der Westseite gemacht wurden. Im Innern der Gaststube fanden alte Holzstützen, unter anderem aus dem Haus „zum Ritter“ (Schmidgasse 1), wieder Verwendung (3).

 

 

Einer der Berichte aus dem Jahre 1951 schliesst mit den Worten: „In die Taverne eintreten heisst, einen Hauch Alt-Winterthurs, der sich in Mauerwerk und Gebälk verfangen hat, einatmen – heisst, für einen Augenblick einer früheren und vielleicht froheren Zeit angehören.“

 

1) Troll III S. 23

2) Wahrscheinlich Hans Ulrich Hegner-Künzli (1628-1683)

3) Winterthurer Jahrbuch 1982 S. 144